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Auktion 120 · Los 4900

Wahl, Friedrich Gerhard

Rysse zu dem Unterricht in dem Strassen- und Brukenbau

Unikat mit Bauzeichnungen für Brückenkonstruktionen
Wahl, Friedrich Gerhard. "Rysse zu dem Unterricht in dem Strassen- und Brukenbau" (hs. Titel). 12 farbig aquarellierte Orig.-Tuschfederzeichnungen mit architektonischen Entwürfen (davon 4 bezeichnet). 25,5 x 37,5 bzw. 25,5 x 50 cm. Halbleder d. Z. (stärker fleckig und berieben, Kapitale etwas lädiert). (Zweibrücken, um 1795).
Folge von 12 farbig aquarellierten Architekturzeichnungen mit Darstellungen verschiedener Straßen und Brückenkonstruktionen, entworfen und ausgeführt von Friedrich Gerhard Wahl (1748-1826), dem letzten Baudirektor des Herzogtums Pfalz-Zweibrücken im heutigen Rheinland-Pfalz. Wahl wurde bereits mit 23 Jahren zum Landbau- und Chaussee-Inspektor ernannt, schon ein Jahr später wurde ihm die Oberaufsicht über das Straßen- und Brückenbauwesen im gesamten Herzogtum übertragen. Sein Einfluss erfuhr erst mit dem Einmarsch der Franzosen im Herbst 1793 ein abruptes Ende. Wahl floh mit seiner Familie in den Odenwald, wo er für den Graf von Erbach-Fürstenau tätig wurde und kehrte erst 1814 wieder in die Pfalz zurück.
Die vorliegenden, sehr fein und detailliert ausgeführten Bauzeichnungen datieren in seine Zweibrücker Schaffenszeit und zeigen neben bautechnischen Einzelheiten mit teils geodätischen Angaben mehrere von Wahl entworfene und realisierte Brückenkonstruktion im Herzogtum, die durch Napoleon zerstört wurden und hier in aller Detaillfülle dokumentiert sind: "Kunststrasse über eine Überschwemmung. Gebaut zu Ernstweyler durch den Autor. Zerstoert durch Franzosen", "Fahrdamm uber eine Uberschwemmung. Gebaut zu Ixheim und Einoed von dem Autor. Zerstoert durch Franzosen", "Bruke bey Schwarzenaker erbaut durch den Autor. Verbrennt durch die Franzosen. MDCCLXXXXIII". Eine weitere bezeichnete Tafel mit der Darstellung eines wohl nicht realisierten "Project(s) zu einer Chaussee Bruke nach Sobenheim uber die Nohe. Auf Befehl entworffen vom Autor". Die letzte Tafel zeigt einen besonders phantasievollen Entwurf für eine Hängebrücke mit zwei an japanische Pavillone erinnernde Brückenköpfe mit verspielter Beleuchtung und Windrose auf dem Spitzdach, eine Reminiszens an die zeitgenössische Begeisterung für orientalische und fernöstliche Kulturen. – Titel mit vertikalen Quetschfalten. Die ersten vier im Format etwas kleineren Tafeln sind auf breite Falze montiert, die übrigen Tafeln, darunter auch die bezeichneten, im größeren Format von 25 x 50 cm. Etwas fingerfleckig, die Falze leimschattig, sonst wohlerhalten.
Maße
*
Schätzpreis
1.400–2.000 €
Zuschlag
4.800 €